Schlundverstopfung

Schlundverstopfung

Kennen Sie das Gefühl? Es sitzt einem etwas im Hals und geht weder hoch noch runter. Man bekommt in Sekundenbruchteilen Angstzustände, gar Todesangst und damit verbunden Hitzewallungen und Schweißausbrüche…
(Und man Denkt: "Das war's dann jetzt...")

Selbst wenn der verursachende Brotbissen o.ä. endlich ausgehustet oder abgeschluckt ist, bleibt für geraume Zeit dieses wackelige Gefühl in den Knien, verbunden mit dem Gedanken "Ist ja gerade nochmal gutgegangen".

Nicht viel anders kann man sich eine Schlundverstopfung beim Pferd vorstellen, nur dass diese Notsituation mit der ganzen einhergehenden Angst und panik um einiges länger dauert. Teile der Nahrung (meistens sind das ungenügend zerkleinerte feste Futterteile, wie zu trockene Rübenschnitzel, Apfelstücke oder Pellets) bleiben auf ihrem Weg zum Magen unterwegs irgendwo in der Speiseröhre hängen. Es kommt zu einem schmerzhaften Schlundkrampf.

Bevorzugt geschieht dies am Schlundkopf, Brusteingang und Zwerchfellschlitz, die jeweils einen natürlichen Engpass bilden. Die Symptome können je nach Grad und Sitz der Verstopfung unterschiedlich sein, wie z.B.: Abrupter Stop des Fressvorgangs, ängstlicher Blick, würgendes Husten, aber auch gesteigerte Unruhe, Kopfschlagen und kolikähnliches Verhalten. Das eindeutigste Zeichen für eine Schlundverstopfung ist starker Ausfluss von Speichel (z.Teil mit Futter vermischt) aus Maul und/oder Nüstern. Denn die Verstopfung bewirkt eine vermehrte Produktion von Speichel, der nicht abgeschluckt werden kann. Ältere Pferde, die schon öfter Schlundverstopfungen hatten reagieren teils ruhiger und versuchen durch tiefgehaltenen Kopf und ausgestrecktem Hals den Speichel samt der Futterteile abfließen zu lassen und unterstützen dies nur durch sporadisches würgendes Husten.

Obwohl es gelegentlich zu Spontanlösungen der Verstopfungen kommt, sollte man auf jeden Fall einen Tierarzt rufen, denn im Regelfall tritt eine stetige Zustandsverschlechterung ein. Ausserdem besteht die dringende Gefahr, dass Teile des Futterbreies über die Luftröhre in die Lunge eingeatmet werden, was eine komplizierte Lungenentzündung hervorruft. Darüberhinaus kann eine länger anhaltende Schlundverstopfung durch den Druck der auf die Schlundwand ausgeübt wird, zum absterben von Gewebe und späterer Narbenbildung führen. Narben im Schlund begünstigen natürlich auch ein wiederauftreten von Schlundverstopfungen.

Im schlechtesten Fall kann ein Schlund der immer wieder verstopft durch starke Vernarbungen derart porös werden, daß eine Perforation der Schlundwand eintritt, die nicht mehr therapierbar ist. Grundsätzlich kann die Schlundverstopfung jedes Pferd ereilen, aber einige Pferde sind anfälliger dafür als andere. Das können zum einen gierige Fresser sein. Tiere die dentale Fehlstellungen haben (defekte Mahlzähne oder starke Zahnhaken). Pferde bei denen eine krankhafte Veränderung in der Wand der Speiseröhre vorliegt. Z.B. durch Narben aus früheren Schlundverstopfungen. Pferde die unter einer Schwächung der Schlundmuskulatur leiden.

Als vorbeugende Maßnahmen kann man einige Faustgroße Kieselsteine in den Futtertrog legen. Das bewirkt, dass Gierfresser in der Geschwindigkeit der Futteraufnahme gebremst werden. Regelmäßige und gut über den Tag verteilte Futtergaben verhindern ein Überhungern und damit verbundenes Schnellfressen. Futterneider sollten separat gefüttert werden, damit sie ungestört sind. Rübenschnitzel sollten nur in gutgeweichtem Zustand verfüttert werden. Keine Äpfel oder Cobs verfüttern die so klein sind, das sie unzerkaut abgeschluckt werden können. Bei sehr anfälligen Pferden sollte man auf eine Futtermischung umstellen, die keine Pellets enthältt. Regelmäßige Gebisskontrolle durch den Tierarzt verhindert die übermäßige Bildung von Zahnhaken.

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